[Werbung, Rezensionsexemplar]
Preis: 25,-€
"Die letzte bewohnte Insel der Welt. Eine Idylle. Hier leben Dorfbewohner und eine Handvoll Wissenschaftler friedlich zusammen. Doch dann geschieht das Undenkbare: Eines Morgens wird die Leiche einer brutal ermordeten Wissenschaftlerin gefunden. Sie sorgte für Sicherheit auf der Insel. Wird ihr Mörder nicht rechtzeitig gefunden, steht das Überleben der Menschheit auf dem Spiel.Die Welt wurde durch einen giftigen Nebel zerstört, nur auf einer kleinen Insel im Mittelmeer existieren dank eines komplizierten Abwehrsystems letzte Überlebende. Wissenschaftler sorgen für ein friedliches Leben, sie überwachen die Landwirtschaft, die nächtliche Sperrstunde und sogar die Gedanken der Dorfbewohner. Die wiederum stellen keine Fragen – bis eine der Wissenschaftlerinnen eines Morgens ermordet aufgefunden wird. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Mord das Abwehrsystem der Insel heruntergefahren hat. Wird der Mörder nicht innerhalb der nächsten 107 Stunden gefunden, wird die Insel von dem Nebel verschluckt. Und auch die letzten Menschen auf Erden werden aussterben. Das Problem: Niemand erinnert sich daran, was in der vergangenen Nacht geschehen ist."
Dieses Buch zu rezensieren, ist gar nicht so leicht. Stuart Turton schreibt andere Bücher; Bücher, auf die man sich voll und ganz einlassen muss, die man nicht einfach so nebenbei lesen kann. Sein Schreibstil ist für mich etwas ganz Besonderes. Seine drei bisherigen Bücher hatte alle das Genre "Kriminalroman" auf dem Cover stehen, was natürlich auch stimmt. Es wird gemordet, es wird ermittelt, es ist auf unterschiedliche Art spannend. Aber ansonsten sind seine Bücher von Grund auf verschieden und genau das ist sein Ziel, wie er uns Leserinnen und Lesern in "eine besondere Danksagung" am Ende dieses aktuellen Buches erklärt. Dieses Buch ist beispielsweise ein Kriminalroman mit erheblichem Science-Fiction Anteil und einer apokalyptischen Darstellung im Sinne eines Weltuntergangsszenarios ohne religiöse Bestandteile. Sehr wahrscheinlich hätte ich dies von fast keinem/r anderen Autor bzw. Autorin gelesen, da es grundsätzlich kein Inhalt ist, der mich großartig anspricht. Bei Stuart Turton warf ich diese Bedenken aufgrund der positiven Eindrücke der ersten beiden Bücher über Board und wurde auf eine atemberaubende Art belohnt. Mit diesem Buch, das mich fernab meiner Wohlfühlzone abgeholt und so gut unterhalten hat, hat er sich bei mir einen Freifahrtschein erschrieben. Ich werde zukünftig sicherlich alle seine weiteren Bücher ganz bedenkenlos und voller Vorfreude lesen.
So, aber worum geht es denn nun in "Der letzte Mord am Ende der Welt"? Wir befinden uns auf einer kleinen griechischen Insel, die nicht konkreter benannt oder lokalisiert wird und von der wir nur einen Bruchteil im Laufe des Buches kennenlernen. Von der Spezies "Mensch" existieren nur noch drei Personen, die die "Ältesten" darstellen und alle über 100 Jahre alt sind. Alle anderen menschlichen Charaktere auf der Inseln sind, wie man nach und nach erfährt, menschenähnlich gezüchtet. Eine künstliche Intelligenz steuert ihre Leben aus der Ferne. Diese Kreaturen sind theoretisch so gezüchtet, dass sie ausschließlich friedlich leben können; da die menschliche Spezies die Welt durch Kriege, persönliche Auseinandersetzungen und ihren Lebensstil zerstört und schlussendlich eine chemische Reaktion provoziert hat, einen Nebel, der bisher die restliche Welt abseits der Insel verschlungen hat. Die Menschheit hatte sich auf diese Insel evakuiert, verblieben sind nun aber nur noch drei. Und nun geschieht ein Mord an einem dieser drei letzten Menschen. Doch wie konnte dieser überhaupt geschehen, wenn es nur noch drei Menschen gab und die übrigen Wesen friedlich gezüchtet wurden? Und wer hat ein Interesse daran, diesen Mord überhaupt aufzuklären bzw. cwer hat überhaupt die Kompetenzen zu ermitteln? Es findet sich ein weibliches Wesen, das bisher keine Aufgabe zum Gemeinwohl der Gruppe gefunden hat, da es offensichtlich nichts besonders gut kann - außer Fragen stellen, die die anderen ihr nicht beantworten wollen oder können. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn mit dem Tod dieses Menschen kommt der Nebel nun auch der Insel immer näher und droht sie zu verschlingen.
Stuart Turton erfindet hier eine kleine Welt, die er bis ins Detail beschreibt, dies aber nicht auf langatmige Weise, sondern nach und nach im Laufe der Geschichte. Wir lernen das Dorf kennen und Orte außerhalb der Mauern. Lernen peu à peu die verschiedenen Charaktere kennen, ihre Vergangenheit und wie ihr Leben im Dorf aussieht. Der Autor beschreibt Feste und begründet Lebenserwartungen. Lässt uns langsam in dieses uns doch unbekannte Leben eintauchen und machte es für mich auf diese Art und Weise sehr gut möglich mich hineinzufühlen und die Entscheidungen und das Verhalten der einzelnen Personen nachzuvollziehen.
Unterschwellig und doch immer präsent sind Bezüge zu unserer wahren Welt, der Welt wie wir Leserinnen und Leser sie kennen. Wie die damaligen Menschen durch ihre fortschrittliche Entwicklung - denn die Menschen vor dem Nebel waren unserer Gegenwart noch etliche Jahre voraus - sich ihr eigenes Leben so bequem wie möglich gestaltet haben, dabei aber sehr egoistisch vorgegangen sind und weder auf ihre Mitmenschen noch auf die Umwelt und den Planeten geachtet haben. Wie sie durch Wut, Neid und Missgunst körperliche Auseinandersetzungen und Kriege angezettelt haben, bis hin zu dem Moment als sie einen zerstörerischen Nebel in die Welt gesetzt haben, vor dem sie sich dann nicht mehr retten konnten - ähnlich der letzten weltweiten Pandemie, nur noch um einiges schlimmer und ohne Mittel und Wege zur Rettung der Menschheit.
Das Buch hat mich von Beginn an fasziniert und immer wieder in seinen Bann gezogen.
15 von 15 Punkten
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