Donnerstag, 25. Juni 2015

Buchreview: Andrew Davidson "Gargoyle"

Heute wieder ein Buch auf Deutsch, dafür aber ein etwas anderes Genre, als sonst und auch sonst irgendwie ein ganz anderes Buch. Für meine Verhältnisse zumindest.

Andrew Davidson "Gargoyle"



Zum Autor:
Der kanadische Autor, dessen Debutroman dieses Werk ist, hat englische Literatur studiert und ein Jahr in Japan als Lehrer gearbeitet bevor er zurück nach Kanada ging und dort mit der Rechercher für dieses Buch began. (Quelle: wikipedia, 23.06.2015)


Zum Cover:
Das Cover des Buches ist in einem holzigen beige gehalten und zeigt ein großes, brennendes Herz in den Farben gelb/braun/orange im Zentrum, das mit Schriftzeichen gespickt ist. Vor dem Herzen ist ein Banner mit den Worten "ab und an ereilt das Unheil den arglosen gewaltsam wie die Liebe" abgebildet, welche jedoch nicht direkt ins Auge fallen. Auf dem Banner sitzt ein kleiner Gargoyle, passend zum Titel des Buches. Der Titel selbst ist oberhalb des Herzens, der Name des Autor unterhalb angebracht. Alles in allem ist es ein stimmiges Cover, das jedoch nicht ohne Empfehlung meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Wohl auch, da ich es in meinen üblichen Regalen nicht gefunden hätte. Zudem lese ich keine typischen Liebesromane und Cover mit Herzen drauf werden von mir grundsätzlich ersteinmal ignoriert. Da mir dieses Buch jedoch empfohlen wurde, fiel es mir direkt ins Auge, als ich es in einem "Mängelexemplare"-Laden sah.Das Cover passt zudem sehr gut zur Geschichte!

Zum Buch:
Das Buch ist eine Art historischer Liebesroman, jedoch nicht so schnulzig wie man es von typischen Liebesromanen gewohnt ist. Es geht darum, dass ein Mann einen schlimmen Unfall erleidet und fast vollständig verbrennt. Im Krankenhaus kommt ihn regelmäßig eine Frau besuchen, die ihm Geschichten erzählt. Dabei beharrt sie immer darauf, dass viele davon wahre Geschichten aus ihrem Leben sind und dass sie und der Mann sich schön öfter begegnet sind. Sie erzählt von einem Paar aus dem Mittelalter, das sie gewesen sein soll und berichtet von dessen Schicksal. Nachdem der Mann aus dem Krankenhaus entlassen wird und bei ihr einzieht, fragt er sich mehr und mehr wie viel von diesen Geschichten vielleicht tatsächlich wahr sein könnte.

Ein Mann fährt eine dunkle Straße entlang, als er plötzlich geblendet wird, sein Wagen in eine Schlucht stürzt und Feuer fängt. Er überlebt, wird mit schweren Verbrenungen ins Krankenhaus eingeliefert - und hat in den Wochen der Rekonvaleszenz nur einen Gedanken: wie er nach seiner Entlassung Selbstmord begehen kann. Doch da taucht eine mysteriöse Frau an seinem Krankenbett auf, die schöne Marianne Engel, Bildhauerin beeindruckender Gargoyles. Sie behauptet, sie seien einst Liebende gewesen - vor siebenhundert Jahren in Deutschland, als sie eine Nonne war und er ein Söldner auf der Flucht. Ist diese Frau verrückt? Oder ist sie der rettende Engel, der ihn aus seiner Verzweiflung und Todessehnsucht erlösen wird?

Es klingt also alles sehr mysteriös und so ist auch das gesamte Buch aufgebaut. Trotzdem sind die Charaktere stimmig, haben interessante, verworrene Züge, die jedoch gut und klar dargestellt werden. Nichts macht einen kitschigen Eindruck oder verliert sich in unnötigen Beschreibungen. Das Buch folgt, trotz verschiedener Handlungsstränge - denen in der Wirklichkeit und denen, die als Geschichten erzählt werden, manche die sich über das ganze Buch ziehen, manche die sozusagen einzelne Kapitel sind - einem klaren roten Faden und ist überhaupt nicht verwirrend. Zu Beginn hat es mich etwas Mühe gekostet dran zu bleiben, da es mit den Selbstmordgedanken des Hauptcharakters doch sehr düster war und kaum Fahrt aufnahm, aber sobald die weibliche Hauptperson ins Bild kam, nahm die Geschichte mehr Schwung an und wurde zunehmend interessanter.

Fazit:
"Gargoyle" ist ein faszinierender Mix aus Liebesgeschichte und historischem Roman. Es verbindet die verschiedenen Aspekte und Lebensgewohnheiten der Jahrhunderte, stellt sie klar heraus und verbindet die Geschichten geschickt. Wer in eine andere Welt abtauchen möchte, wen es nicht stört, dass das Ganze wohl eher wenig real erscheint und wer keine typische, romantische Liebesgeschichte erwartet, sondern offen für eine Liebesgeschichte anderer Art ist, ist hier richtig! Ich möchte diese Geschichte nicht als romantisch darstellen, da sie alles andere ist, als das was in der heutigen Welt als Romantik gezählt wird, aber auf jeden Fall geht sie mit einer Menge Gefühl daher und hat mich vor allem am Ende zu Tränen gerührt. Happy End oder nicht? Sagen wir, das Ende passt hervorragend zur Geschichte und enttäuscht nicht.

Leseempfehlung:
Ich gebe dem Buch eine deutliche Leseempfehlung, empfehle dem Leser aber gleichzeitg dran zu bleiben, wenn die Geschichte einen nicht direkt mitreißt, so wie es bei mir gewesen ist. Es lohnt sich auf jeden Fall das Buch bis zum Ende zu lesen. Und bitte nicht zurückschrecken, wer keine Liebesromane liest! Ich lese sie auch nicht, mag sie bis auf extrem wenig Ausnahmen gar nicht, aber dieses Buch hier, war wundervoll.

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