Mittwoch, 9. Dezember 2015

Buchrezension: Karin Slaughter "Cop Town - Stadt der Angst"

Heute geht es um einen Einzelband der bekannten Autorin Karin Slaughter. Das Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt.

Karin Slaughter "Cop Town - Stadt der Angst"

http://www.randomhouse.de/Paperback/Cop-Town-Stadt-der-Angst-Thriller/Karin-Slaughter/e475886.rhd

 (© Blanvalet, Verlagsgruppe Randomhouse. Durch Klicken auf das Cover gelangt ihr zum Verlag)


Zur Autorin: 
Karin Slaughter ist eine amerikanische Autorin, die 2003 ihren ersten Thriller, den ersten Band der Reihe um Sara Linton & Co., veröffentlicht hat und seitdem sehr erfolgreich Thriller schreibt. Mittlerweile wurden ihre Werke in 32 Sprachen übersetzt. (Quelle: Buch)
 
Zum Cover:
Das Cover zeigt eine Nahaufnahme eines jungen Frauengesichtes, der Rest des Covers ist schwarz gehalten. Im oberen Drittel erscheint der Name der Autorin in dunkelblau, wodurch er nicht direkt ins Auge fällt und die Aufmerksamkeit eher auf den in weißen Buchstaben gedruckten Titel wirft. Alles in allem ein eher unscheinbares Cover.

Zum Buch:
Dieser Thriller spielt im Atlanta/USA der 1970er Jahre. Es ist eine Zeit in der immer noch weiße Männer das Sagen haben und Frauen vor allem bei der Polizei ungern gesehen sind. Das Buch thematisiert intensiv Randgruppen der damaligen Zeit: Dunkelhäutige, Frauen, Behinderte, Homosexuelle, Juden. Es macht keinen Hehl daraus, wie wenig diese Menschen damals geschätzt worden sind und wie man sie behandelt hat. In diesem Thriller geht die Darstellung der Diskriminierung sogar so weit, dass ein Familienmitglied mehr Ansehen als Mörder als als Homosexueller hätte. Die örtliche Polizei wird als ein Haufen häufig betrunkener Machos dargestellt,, dem es darum geht in seiner Stadt ihre Art des Rechts und der Ordnung durchzusetzen, wer dort nicht hineinpasst, wird nieder gemacht. 

In all dem finden sich zwei Frauen, eine die in einer Polizistenfamilie aufgewachsen ist, jedoch auch von dieser als Polizisten nicht anerkannt wird, und einer gerade frisch von der Akademie kommenden Tochter eines wohlhabenden, jüdischen Geschäftsmannes. Beide haben in der Vergangenheit wichtige Menschen verloren und sich zum Ziel gesetzt die Bösen zu jagen. In einem von Männern regierten Beruf werden sie jedoch kaum Ernst genommen und dürfen kaum eine Aufgabe übernehmen. Nachdem eine Kollegin fast ermordert wird, beginnen die beiden Frauen, die sehr unterschiedlich sind, nun gemeinsam zu ermitteln und einen alten, aber immer noch aktuellen Fall aufzurollen, bis sie schließlich dem Mörder entgegentreten

Die Autorin schafft es ein plausibles Bild der damaligen Zeit in den USA zu schaffen, ist sich dabei nicht zu schade auch ihr eigenes Geschlecht negativ da stehen zu lassen oder ihm Fehler zu erlauben. Obwohl verschiedene Randgruppen angesprochen werden, wird sie allen gerecht, beschreibt ihre Lage und ihr Verhalten angemessen und ermöglicht es dem Leser sich in die Personen hineinzuversetzen bzw. in ihre Art des Leben-Müssens. Man bekommt dabei nicht den Eindruck, dass sie möglichst viele Gruppen in eine Geschichte packen möchte. Im Gegenteil wird es deutlich, dass diese Gruppen schon immer existierten nur zu bestimmten Zeiten in der Geschichte der Menschheit ignoriert, diskriminiert und unterdrückt worden sind, obwohl sie sich stets in unserem Umfeld befunden haben. 

Die Jagd auf einen Polizistenmörder gerät dabei nicht aus den Augen und auch nicht in den Hintergrund, sondern dient als Grundlage für einen guten Thriller, der zum Nachdenken anregt. 

Atlanta, 1974: Kate Murphy bangt schon während ihres ersten Tages beim Police Department um ihr Leben. Denn der >>Shooter<< terrorisiert die Stadt - die Opfer des Attentäters sind ausschließlich Cops. Und als würde das nicht reichen, machen auch Kates männliche Kollegen ihr den Job zur Hölle: Eine webliche Polizistin zählt in ihren Augen keinen Cent. Zum Glück ist Kate nicht allein. Auch ihre Partnerin Maggie Lawson spürt, wie die Stimmung unter den männlichen Kollegen kippt. Ihnen ist jedes Mittel recht, um den Killer zur Strecke zu bringen. Und plötzlich befindet sich Atlanta im Ausnahmezustand - denn die Cops beginnen eine brutale Menschenjagd und werden so gefährlich wie der Killer selbst. (Quelle: Klappentext)   
      
Fazit:
Das Buch ist der erste Einzelband der Autorin; es thematisiert keine Geschehennisse um Sara Linton oder Will Trent, auch wenn es in derselben Stadt spielt, wie die Reihe! Dies sollte beachtet werden, bevor man sich das Buch anschafft, um nicht enttäuscht zu werden. Auch sollte sich der Leser darauf einstellen, dass das Buch eben nicht in der heutigen Zeit spielt und viele Ansichten und Verhaltensweisen der Menschen anders zu den unseren sind. Wer sich darauf einlassen kann, den erwartet ein tiefgründiger Thriller, in dem es nicht nur um die Jagd auf einen Polizistenmörder geht, sondern auch um den Umgang mit Minderheiten in der Gesellschaft. Auch wenn wir in Zentraleuropa heute mit den thematisierten Menschengruppen in Einklang leben, sollten wir nicht vergessen, dass es sich bei diesem Thema um ein sehr aktuelles handelt. Die erwähnten Gruppen können jederzeit durch andere ersetzt werden und schon müssen wir uns überlegen, ob wir nicht auch heutzutage noch ähnlich mit manchen Menschen umgehen. Ob so eine Hetzjagd, ob solche Diskriminierungen nicht auch heute noch passieren. Ganz zu schweigen von anderen Ländern und Kulturen, die uns fremd sind. 

Obwohl mir der Thriller als Ganzes gut gefallen hat, möchte ich nicht unterschlagen, dass ich im ersten Drittel des Buches unzufrieden gewesen bin und mich schon gefragt habe, ob es nicht ein Fehler gewesen ist, einen Band außerhalb der Reihe - von der ich ein großer Fan bin - zu kaufen. Glücklicherweise hat sich das Blatt dann noch gewendet und mir immer besser gefallen, sodass ich zufrieden mit dem Thriller schließen konnte. 

Leseempfehlung:

Leser, die gerne einmal etwas anderes lesen möchte, einen Thriller, der zwar historisch gesehen nicht so weit zurück liegt, aber trotzdem eine schier unglaublich andere Welt zeigt, die finden hier ein mögliches Buch. Ansonsten rate ich auch jedem Fan der Autorin zum Einzelband und hoffe, dass es niemanden enttäsucht, auch wenn der Anfang vielleicht zäh wirkt. 

Rating:



4 von 5 Büchern



Meinen Wunschzettel zum Thema Bücher, also noch nicht angeschaffte Exemplare, findet ihr HIER.

Kommentare:

  1. Von der Autorin würde ich gern mal etwas lesen, bin bisher aber nicht dazu gekommen, es gibt ja mittlerweile gute Bücher und Autoren wie Sand am Meer :) Ein zäher Anfang eines Buches hält mich übrigens nicht ab, das werden oft noch richtig gute Bücher, allerdings darf das nicht bis zur Buchmitte gehen, da verliere ich dann doch die Geduld. Liebe Grüße!

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    1. Wenn du mit dieser Autorin anfangen möchtes, würde ich dir dazu raten entweder mit dem aller ersten Buch der langen Reihe anzufangen "Belladonna" (dann aber darauf achten, dass du die neue Ausgabe von Blanvalet bekommst - ich hoffe, da ist die Übersetzung besser, denn bei den Ausgaben von rororo, gab es unheimlich viele grammatikalische Fehler, was mich persönlich tierisch aufgeregt hat). Oder aber mit dem Buch "Verstummt", da ab hier neue Charaktere auftauchen. Ich glaube, es würde als Start auch funktionieren. Wobei ich weiß, dass mir irgendwann die ersten Bücher und Ereignisse fehlen würde, es baut schon sehr aufeinander auf und da ein Charakter aus den ersten Büchern später wieder hinzukommt, inklusive der Probleme und Gedanken, die mit der Vergangenheit zu tun haben, würde ich definitiv mit "Belladonna" beginnen. Aber ich habe von einigen Lesern gehört, die den Einstieg eben bei dem anderen Buch gemacht haben und denen die ersten Bücher nicht fürs Verständnis oder das Lesevergnügen fehlen.

      Falls du tatsächlich mal beginnst, sag gerne Bescheid! Ich freue mich schon auf das nächste Buch, dass im April als Taschenbuch herauskommt.

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