Dienstag, 18. August 2015

Buchrezension: Harald Gilbers "Germania"

Heute geht es um einen historischen Roman. Ich lese so etwas ab und an ganz gerne. Wie sieht es mit euch aus? Und welche Epoche lest ihr dann?

Harald Gilbers "Germania"



Zum Autor:
Harald Gilbers ist ein deutscher Autor, der Geschichte und Anglistik studiert hat. Anschließend hat er als Redakteur beim Fernsehen gearbeitet sowie als Theaterregisseur. Das vorliegende Buch ist sein Debutroman. (Quelle: Buchinnenseite)


Zum Cover:
Das Cover ist in grau-Tönen gehalten, wodurch der rote Titel in Großbuchstaben klar hervortritt. Der Name des Autors sowie das Genre stehen in weiß oberhalb bzw. unterhalb des Titels, welcher etwas oberhalb der Mitte der Seite plaziert ist. Dadurch, dass der Titel sich so stark vom Rest absetzt, ist er mir auch im Buchladen direkt ins Auge gefallen. Als nächstes ist mir dann die dunkelgraue Gestalt mit Mantel und Hut aufgefallen, die das gesamte Cover ausfüllt. Es handelt sich dabei ganz klar um einen Mann. Eher im Hintergrund und in helleren grau-Tönen gehalten, erkennt man das Brandenburger Tor sowie die Trümmer von Häusern und Autos. Der Kriegsschauplatz ist nicht falsch zu deuten. Alles in allem ist es ein sehr stimmiges Cover, dass durch die Farbgebung bereits eine gewisse Atmosphäre schafft und deutlich macht, was einen zu erwaten hat.

Zum Buch:
Dieser Roman spielt in Berlin zur Zeit des zweiten Weltkriegs. Innerhalb der Stadt tauchen immer wieder geschundene Frauenleichen auf, die in der Nähe von bestimmten Denkmälern zur Schau gestellt werden. Jedoch scheint der Mörder hauptsächlich darauf aus zu sein, dass Parteimitglieder die Leichen finden, nicht jedoch einfache Bürger über sie stolpern. Der Sicherheitsdienst fühlt sich bald gezwungen einen vom Dienst suspendierten, jüdischen Kommissar in ihr Boot zu holen, um den Fall möglichst schnell zu lösen und die Gesellschaft nicht gegen sich aufzubringen.

Ein Pakt mit dem Teufel

Berlin 1944: In der zerbombten Reichshauptstadt macht ein Serienmörder Jagd auf Frauen und legt die verstümmelten Leichen vor Kriegerdenkmälern ab. Alle Opfer hatten eine Verbindung zur NSDAP. Doch laut einem Bekennerschreiben ist der Täter kein Regimegegner, sondern ein linientreuer Nazi. 
Der jüdische Kommisar Richard Oppenheimer, einst erfolgreichster Ermittler der Kripo Berlin, wird von der SS reaktiviert. Oppenheimer weiß, dass sein Leben am seidenen Faden hängt. Erst recht dann, wenn er den Fall lösen sollte. Fieberhaft sucht er nach einem Ausweg... (Quelle: Buchrücken)

Das Buch beschreibt verschiedenen Welten während dem Krieg: Zum einen das Leben und die Rivalität innerhalb einer Partei, die sich mit ihrem Land im Krieg befindet, zum anderen das Leben, derer, die die Regierung für nicht lebenswert empfindet. Es zeigt sehr deutlich die unterschiedlichen Lebensweisen der verschiedenen Menschen: wie treue Parteimitglieder weiterhalb außerhalb der zentralen Angriffszone in hübschen Häusern wohnen und anderen hingegen täglich in Bunker flüchten müssen und mit mehreren Menschen in nur schlecht ausgestatteten Hochhäusern leben. Welche Risiken wer auf sich zunehmen hat und wie der ein oder andere dann doch heimlich Grenzen überschreitet, sei es, um sich aufzubäumen oder einfach um das Leben doch einen Moment lang erträglicher zu machen. Eingebettet sind diesen ganzen Eindrücke eben in die fiktive Geschichte eines Serienmörders und die Zusammenarbeit mehrerer Seiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Fazit:
Es fällt mir nicht leicht dieses Buch in passende Worte zu fassen. Es muss gesagt werden, dass es sich um keinen Augenzeugenbericht handelt oder um Geschehennisse, die so tatsächlich vorgefallen sind. Das Buch erzählt eine Geschichte, die in Berlin während dem zweiten Weltkrieg spielt. Einige Persönlichkeiten bzw. ihre Namen sowie Ränge innerhalb des Nazi-Regimes sind geschichtsgetreu übernommen. Auch gibt der Autor im Anhang eine für einen Roman umfangreiche Bibliographie, die zeigt, dass er nicht nur Namen adaptiert, sondern auch das Leben und die Zustände zu dieser Zeit recherchiert hat. Trotzdem muss man beachten, dass trotz dieser Einbettung in eine reale Zeit, es sich bei dem Buch um einen Roman handelt. Natürlich lässt sich diskutieren, ob eine solche Zusammenarbeit damals überhaupt denkbar gewesen ist, ob die Abläufe tatsächlich so oder nur so ähnlich hätten ablaufen können und dürfen. Aber wenn man sich dies klar macht oder klar zwischen Augenzeugenberichten und Romanen differenziert, hinterlässt das Buch alles in allem einen guten Eindruck eines Kriminalromans.

Leseempfehlung:
Trotz der recht umfangreichen Bibliographie, glaube ich nicht, dass ein Historiker - obwohl der Autor selbst Geschichte studiert hat - sich mit diesem Roman anfreunden könnte, genauso wenig Leser, die sehr stark mit der Materie vertraut sind oder denen die wahrheitsgemäße Wiedergabe der Vergangenheit wichtig ist. Es muss halt stets im Auge behalten werden, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt. Wer jedoch, wie ich, Romane mit einem Fünkchen Wahrheit mag, hier eben mit der zeitlichen und lokalen Einordnung, wird sich wohl nicht an vielen Punkten dieses Buches stören. Wer ein generelles Interesse an dieser Zeit hat oder an Geschichte im Großen und Ganzen, der kann durchaus Gefallen an dem Buch finden. Es gilt eben immer: Beachte, es ist ein Roman! Mir hat er gefallen.


Im September erscheint der Folgeroman "Odins Söhne."

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